"Prozess gegen Deutschland": Ein Theaterstück prüft das AfD-Verbot und spaltet die Debatte

Ljiljana Hein
Ljiljana Hein
2 Min.
Eine Zeichnung einer Gruppe von Menschen in einer Gerichtssituation, die an einem mit Papieren bedeckten Tisch sitzen, mit einem schwarzen Rand drumherum.Ljiljana Hein

"Prozess gegen Deutschland": Ein Theaterstück prüft das AfD-Verbot und spaltet die Debatte

Dreitägige Inszenierung: "Prozess gegen Deutschland" prüft mögliches AfD-Verbot

Ein dreitägiges, szenisch umgesetztes Streitgespräch unter dem Titel "Prozess gegen Deutschland" hat stattgefunden, in dem erörtert wurde, ob die rechtspopulistische AfD verboten werden sollte. Regie führte Milo Rau, der für die Veranstaltung sowohl Befürworter als auch Kritiker eines solchen Verbots zusammenbrachte. Den Vorsitz hatte Herta Däubler-Gmelin inne, Deutschlands ehemalige Bundesjustizministerin, die als Vorsitzende Richterin fungierte.

Das Urteil fällte eine siebenköpfige Jury, doch kurzfristige Absagen einiger Teilnehmer sorgten für unerwartete Spannungen in den Debatten.

Milo Rau, bekannt dafür, Theater mit realen gesellschaftspolitischen Diskursen zu verbinden, konzipierte "Prozess gegen Deutschland" als immersive Auseinandersetzung mit der Frage eines möglichen AfD-Verbots. Seine früheren Projekte wie "Die Moskauer Prozesse" (2013) oder "Die Zürcher Prozesse" (2015) griffen ebenfalls auf echte Richter, Anwälte und Betroffene zurück, die historische Fälle – etwa Stalins Schauprozesse oder den Fall Marc Dutroux – nachstellten, dabei aber aktuelle Themen aufwarfen. Diese Inszenierungen, die unter anderem an der Berliner Schaubühne und im Zürcher Theaterhaus gezeigt wurden, verwischten bewusst die Grenze zwischen künstlerischer Performance und authentischer juristischer Debatte.

Auch in "Prozess gegen Deutschland" setzte Rau auf reale Akteure aus Politik und Justiz statt auf Schauspieler. Doch das Format sorgte für Reibungspunkte. Die Journalistin Leonie Plaar und der Wissenschaftler Rainer Mühlhoff zogen sich kurzfristig zurück – laut Berichten als Reaktion auf die sich entwickelnde Dynamik der Veranstaltung. Ihr Rückzug wurde von manchen als bewusste, performative Geste gegen den provokativen Ansatz der Inszenierung gedeutet.

Trotz der Ausfälle führte Däubler-Gmelin die Verhandlungen weiter. Die Jury, bestehend aus sieben Mitgliedern mit unterschiedlichen Positionen zur AfD, verkündete nach drei Tagen intensiver Debatten ihr Urteil. Raus Methode, mithilfe des Theaters brisante politische Fragen auszuloten, löste erneut Diskussionen über die Grenzen zwischen Kunst, Aktivismus und realen Konsequenzen aus.

Der inszenierte Prozess endete mit einem formalen Jury-Spruch, doch die Veranstaltung selbst legte die tiefen Gräben in der Bewertung der AfD offen. Die Absagen zentraler Teilnehmer unterstrichen die Herausforderungen, wenn theatralisches Experiment mit lebendiger politischer Debatte verschmilzt. Raus Ansatz – wie schon in früheren Projekten – zwingt Zuschauer und Beteiligte auch diesmal, sich auf ungewöhnliche Weise mit unangenehmen Fragen auseinanderzusetzen.

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