Wim Wenders' Falsche Bewegung entfacht neue Debatte über Kinderschutz im Film
Andrew GudeWim Wenders' Falsche Bewegung entfacht neue Debatte über Kinderschutz im Film
Eine kürzliche Vorführung von Wim Wenders’ Film Falsche Bewegung aus dem Jahr 1975 in Frankfurt hat die Debatte über dessen umstrittene Inhalte neu entfacht. Der Film enthält eine halbnackte Szene mit Nastassja Kinski, die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten erst 13 Jahre alt war. Die Diskussion lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf die ethischen Bedenken im Umgang mit der Sexualisierung von Minderjährigen im Kino.
Die Debatte gewann an Fahrt, nachdem der Film im März im Frankfurter Filmmuseum gezeigt worden war. Viele Zuschauer sahen sich mit dem problematischen Erbe des Werks konfrontiert – insbesondere mit der Szene, in der Kinski zu sehen ist. Sie hatte jahrelang für deren Entfernung gekämpft, erhielt jedoch erst breitere Unterstützung, nachdem Wenders ihren Antrag öffentlich abgelehnt hatte.
Wenders entschuldigte sich später bei Kinski und zog den Film aus dem Verleih zurück. Die Kontroverse wirft auch Fragen zu anderen Kinderdarstellern in moralisch ambivalenten Rollen auf. Brooke Shields, die in Pretty Baby eine Kinderprostituierte spielte, beschrieb die Unbehaglichkeit, ihre Mitwirkung in einem Film rechtfertigen zu müssen, der weithin als „unmoralisch“ gebrandmarkt wurde.
Schauspielerinnen wie Natalie Portman, Dakota Fanning und Kirsten Dunst haben seitdem über ihre eigenen Erfahrungen gesprochen. Portman, die mit 12 Jahren in Léon – Der Profi mitspielte, empfand Fanpost mit gewalttätigen oder sexuellen Fantasien als verstörend, ebenso wie eine Radio-Rückwärtszählung bis zu ihrem 18. Geburtstag. Jodie Foster, die im selben Alter in Taxi Driver auftrat, thematisierte ihre Rolle dagegen stets mit Humor und Gelassenheit.
Die Diskussion spaltet die Meinungen: Einige fordern, Filme mit heute inakzeptablen Inhalten zu überarbeiten, andere bestehen darauf, das Original als historisches Dokument zu bewahren. Kinskis Kampagne hat die Branche dazu gebracht, die Sexualisierung junger Schauspieler in der Vergangenheit neu zu bewerten. Die Rücknahme des Films aus dem Verleih ist eine konkrete Reaktion auf diese Bedenken. Die Debatte darüber, wie künstlerische Integrität und ethische Verantwortung in Einklang zu bringen sind, dauert an.
