Warum immer mehr Menschen der Demokratie misstrauen – und wer davon profitiert
Albin ReisingWarum immer mehr Menschen der Demokratie misstrauen – und wer davon profitiert
Warum einige Gruppen das Vertrauen in die Demokratie verlieren: Eine neue Studie des Soziologen Aladin El-Mafaalani
In seinem neuen Buch untersucht der Soziologe Aladin El-Mafaalani, warum bestimmte Gruppen das Vertrauen in die Demokratie verlieren. Seine Forschung zeigt, wie sich Misstrauen über digitale Netzwerke verbreitet und enge "Gemeinschaften des Misstrauens" entstehen lässt. Diese Gruppen wenden sich von traditionellen Institutionen ab und setzen stattdessen auf populistische Bewegungen wie die deutsche AfD.
El-Mafaalanis Werk "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert, wie Menschen sich von staatlichen Institutionen, Gerichten, der Wissenschaft und den Medien abwenden. Seine These: Ist das Vertrauen erst einmal zerstört, kann selbst der nachgewiesene Inkompetenz einer Partei das Glauben an die Demokratie nicht wiederherstellen. Stattdessen festigen diese Gemeinschaften ihre Überzeugungen durch geteiltes Misstrauen – verstärkt durch den Austausch im Netz.
Der Aufstieg der AfD als Beispiel für den Vertrauensverlust Die Entwicklung der AfD spiegelt diesen Trend wider. 2013 als EU-skeptische Partei gegründet, verschob sie nach der Flüchtlingskrise 2015 ihren Fokus und vertrat fortan eine härtere Linie in der Migrationspolitik. Anfangs hatte sie Schwierigkeiten – 2013 verfehlte sie mit 4,7 Prozent knapp den Einzug in den Bundestag –, doch schon bei der Europawahl 2014 erreichte sie 7 Prozent. Bis 2025 verdoppelte sich ihre Unterstützung im Vergleich zu 2021, mit Alice Weidel als Kanzlerkandidatin. Doch interne Konflikte folgten: Rund ein Fünftel der Mitglieder verließ die Partei 2015. Bis heute gibt es Debatten über ihre Verbindungen zum Rechtsextremismus, obwohl sie mittlerweile unter Weidel und Tino Chrupalla als Bundestagsfraktion etabliert ist.
Globale Parallelen und die Grenzen klassischer Gegenstrategien El-Mafaalanis Analyse wirft auch Licht auf ähnliche internationale Entwicklungen, etwa den Aufstieg von Figuren wie Donald Trump. Seine Arbeit legt nahe, dass herkömmliche Methoden zur Bekämpfung des Populismus zunehmend versagen.
Der Aufstieg der AfD steht exemplarisch für ein breiteres Muster: den schwindenden Glauben an demokratische Systeme. El-Mafaalanis Erkenntnisse zeigen, dass diese Gemeinschaften populistischen Parteien treu bleiben – unabhängig von deren tatsächlicher Leistung. Seine Forschung unterstreicht die Dringlichkeit neuer Ansätze, um der Erosion des öffentlichen Vertrauens entgegenzuwirken.






