Kürzere Arbeitszeiten im ÖPNV: NRW-Beschäftigte setzen Tariferfolg ohne Lohnverlust durch
Andrew GudeKürzere Arbeitszeiten im ÖPNV: NRW-Beschäftigte setzen Tariferfolg ohne Lohnverlust durch
Beschäftigte im Öffentlichen Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen haben eine neue Vereinbarung durchgesetzt, die die wöchentliche Arbeitszeit verkürzt – bei unverändertem Lohn. Die schrittweise Umsetzung des Tarifabschlusses sieht zudem längere Ruhezeiten und höhere Zuschläge vor. Unklar bleibt jedoch, wie die zusätzlichen Kosten gedeckt werden sollen – mit möglichen Folgen für die Fahrgäste.
Ab Juli 2027 wird die Wochenarbeitszeit von 39 auf 38,5 Stunden reduziert, bis Juli 2028 dann auf 38 Stunden. Die Löhne bleiben stabil, sodass die Beschäftigten keine Einkommenseinbußen hinnehmen müssen. Gleichzeitig werden die gesetzlichen Ruhepausen ausgeweitet und die Sonntagszuschläge erhöht.
Die Neuregelung stärkt auch den Schutz für kurzfristig Beschäftigte. Doch eine zentrale Frage bleibt offen: Wer trägt die Mehrkosten? Die Verkehrsbetriebe stehen vor höheren Personalkosten, da weniger Arbeitsstunden möglicherweise mehr Personal erfordern, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Hinzu kommen Ausgaben für zusätzliche Freitage und erhöhte Zuschläge.
Drei Finanzierungsmöglichkeiten stehen im Raum: öffentliche Träger, Bund und Länder oder höhere Ticketpreise. Die noch ungelöste Frage der langfristigen Finanzierung des Deutschlandtickets verschärft die Unsicherheit. Sollte keine stabile Lösung gefunden werden, könnten die Fahrpreise mittelfristig steigen.
Aktuell liegen die Gehälter von Bus- und Bahnfahrern in der Region unter dem Bundesdurchschnitt. Die monatlichen Bruttolöhne bewegen sich zwischen 2.352 und 2.450 Euro, was bei einer 40-Stunden-Woche etwa 13 bis 15 Euro pro Stunde entspricht. Zum Vergleich: In Bundesländern wie Baden-Württemberg liegen die Löhne bei rund 4.000 Euro.
Zwar ist der Tarifabschluss ein Erfolg für die Beschäftigten, doch die finanzielle Belastung der Verkehrsunternehmen bleibt ungelöst. Fahrgäste in Solingen und anderen Städten müssen zwar vorerst nicht mit Preiserhöhungen rechnen – langfristige Anpassungen sind aber nicht ausgeschlossen. Wer letztlich die Zeche zahlt – Staat, Unternehmen oder Pendler – wird die Zukunft des Nahverkehrs in der Region prägen.






