Hunderte Schulprojekte gegen Rassismus drohen durch Mittelkürzungen zu scheitern
Andrew GudeHunderte Schulprojekte gegen Rassismus drohen durch Mittelkürzungen zu scheitern
Kürzungen bei Bundesmitteln gefährden Hunderte Schulprojekte gegen Rassismus und Extremismus
Durch die Streichung staatlicher Fördergelder sind Hundert Schulinitiativen bedroht, die sich der Bekämpfung von Rassismus und Extremismus widmen. Die Entscheidung lässt Lehrkräfte verunsichert über ihre Rolle bei der Behandlung politischer Themen zurück – viele Projekte verlieren bis Jahresende ihre Unterstützung. Gleichzeitig formiert sich ein wachsendes Bündnis, das mit einer Petition den Spielraum von Schulen verteidigen will, Diskriminierung entgegenzutreten.
Betroffen sind rund 200 NGOs und Schulnetzwerke, darunter Partner von "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage", einem Programm, das Workshops zu Antirassismus und Extremismusprävention anbietet. Felix Bjerke, Koordinator am Kölner Genoveva-Gymnasium, wo 90 Prozent der Schüler:innen einen Migrationshintergrund haben, organisiert dort Veranstaltungen zu Antisemitismus, Verschwörungstheorien und rechtsextremer Ideologie. Seine Schule arbeitet mit Gruppen wie "180 Grad Wende" und "Transaidency" zusammen – beide stehen nun vor dem Aus der Förderung.
Besonders hart treffen die Kürzungen Projekte in Ostdeutschland, einer Region, in der rechtsextreme Einflüsse zunehmen. Auch das "Demokratie-Festival", eine langjährige Veranstaltung des Kölner Jugendrats, verliert seine mehrjährigen Förderzusagen. Eine aktuelle Studie der Pädagogischen Hochschule Weingarten zeigt, dass Lehrkräfte kontroverse Themen zunehmend meiden – aus Angst, sich dem Vorwurf politischer Voreingenommenheit auszusetzen.
Als Reaktion hat sich ein Bündnis von Organisationen formiert und die Petition "Schulen nehmen Stellung" gestartet. Sie fordert klarere Rückendeckung für Pädagog:innen, die sich im Klassenzimmer gegen Hass und Diskriminierung engagieren.
Die Mittelkürzungen kommen zu einer Zeit, in der die Debatten über die politische Neutralität von Lehrkräften an Schärfe gewinnen. Während rechtsextreme Gruppen wie die AfD Vorwürfe der Befangenheit verstärken, geraten Schulen zunehmend unter Druck, heikle Themen zu umgehen. Gleichzeitig kämpfen Projekte, die einst Fortbildungen und Materialien bereitstellten, nun ums Überleben.






