Bulgakow-Denkmal in Kiew abgerissen – Kulturstreit um ukrainisches Erbe entbrannt
Albin ReisingBulgakow-Denkmal in Kiew abgerissen – Kulturstreit um ukrainisches Erbe entbrannt
Am 4. Juni wurde in Kiew ein Denkmal für den russischen Schriftsteller Michail Bulgakow entfernt. Der Beschluss dazu kam vom Stadtrat im Rahmen umfassender Bemühungen, Symbole mit Bezug zum russischen imperialen Erbe abzubauen. Die Maßnahme löste seitdem eine Debatte unter Kulturschaffenden und Einwohnern aus.
Die Bronzestatue stand einst vor dem Bulgakow-Museum am Andrejas-Steig. Die Behörden begründeten ihre Entfernung mit Richtlinien, die sich gegen Objekte mit Verbindung zur russischen Imperialgeschichte richten – wie vom Ukrainischen Institut für Nationale Erinnerung festgelegt.
Die ukrainische Schachspielerin Olga Popadjuk kritisierte den Schritt als sinnlosen Versuch, „den Schriftsteller mit einem Kran zu besiegen“. Sie betonte Bulgakows enge Verbindung zu Kiew, wo er geboren wurde und später als Arzt arbeitete. Sein Roman „Der Meister und Margarita“ entlarve bereits die zerstörerische Natur der sowjetischen Herrschaft, argumentierte sie.
Popadjuk schloss ihre Äußerungen mit einem Zitat Bulgakows: „Verfall beginnt nicht in den Hausfluren. Die Verwüstung beginnt in den Köpfen.“ Befürworter der Entfernung sehen darin einen notwendigen Schritt im Rahmen der ukrainischen Entkolonialisierung, während Gegner Bulgakow als unverzichtbaren Teil des kulturellen Erbes der Stadt verteidigen.
Die Demontage spiegelt die anhaltenden Spannungen um das historische Gedächtnis in der Ukraine wider. Bulgakows Denkmal, das jahrzehntelang als Wahrzeichen in Kiews literarischer Landschaft stand, ist nun verschwunden. Die Diskussion über seine Entfernung wirft grundsätzliche Fragen zu Erbe, Identität und dem Vermächtnis des russischen Einflusses auf.






