1N Telecom: Wie Verbraucher mit gefälschten Verträgen und Inkasso-Druck kämpfen
Marit Cichorius1N Telecom: Wie Verbraucher mit gefälschten Verträgen und Inkasso-Druck kämpfen
Verbraucher in ganz Deutschland berichten von Täuschung durch 1N Telecom bei Telefon- und Internetverträgen
Viele Kunden wurden dazu gebracht, Verträge zu unterschreiben, die ihre ursprünglichen Verträge – oft bei der Deutschen Telekom – kündigten und durch unerwünschte Neuabschlüsse ersetzten. Ehemalige Kunden sehen sich nun mit aggressiven Forderungen eines Inkassodienstleisters konfrontiert, der umstrittene Ansprüche geltend macht.
Der Skandal begann mit unaufgeforderter Werbung und gefälschten Gewinnspielbenachrichtigungen von 1N Telecom. Kunden, die glaubten, an Wettbewerben teilzunehmen oder bestehende Verträge zu bestätigen, unterschrieben unwissentlich neue Verträge, die ihre bisherigen Verträge kündigten. Manche bemerkten den Wechsel erst, als sie Rechnungen des Unternehmens erhielten.
In einem Fall urteilte das Amtsgericht Leipzig, dass kein gültiger Vertrag vorlag, nachdem ein Kunde eine erzwungene Tarifumstellung anfocht. Das Gericht stellte fest, dass die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von 1N Telecom – die nur über einen Internetlink in einem Papierformular bereitgestellt wurden – rechtlich unwirksam seien. Dennoch fordert das Unternehmen weiterhin Zahlungen von bis zu 500 Euro, selbst nachdem Kunden die Verträge formell widerrufen oder angefochten hatten.
Die umstrittenen Forderungen wurden inzwischen an die Inkassofirma TPI Investment verkauft. Betroffene erhalten nun Vergleichsangebote über 200 Euro – bei Ablehnung drohen höhere Forderungen. Die Verbraucherzentrale Sachsen verurteilte diese Methoden als dreist und inakzeptabel und warnte, dass besonders schutzbedürftige Verbraucher unter Druck gesetzt würden, für Leistungen zu zahlen, die sie nie vereinbart hätten.
Das Leipziger Urteil bestätigt, dass die Verträge von 1N Telecom in vielen Fällen rechtlich unwirksam sind. Dennoch sehen sich Kunden weiterhin mit Forderungen von TPI Investment konfrontiert, das die umstrittenen Schulden übernommen hat. Verbraucherschützer raten Betroffenen, vor einer Reaktion auf Zahlungsaufforderungen rechtlichen Beistand zu suchen.






