15 Jahre nach dem Kölner Archiv-Einsturz: Gerichte urteilen über die Verantwortlichen
Marit Cichorius15 Jahre nach dem Kölner Archiv-Einsturz: Gerichte urteilen über die Verantwortlichen
Ein Gerichtsurteil schließt endlich ein Kapitel in Kölns jahrelanger U-Bahn-Katastrophe ab. Der Einsturz des Stadtarchivs im Jahr 2009 forderte zwei Menschenleben und begrub Jahrhunderte der Geschichte unter sich. Nun, 15 Jahre später, haben Gerichte Strafen für die Verantwortlichen verhängt.
Das Unglück zählt nach wie vor zu den schwersten Infrastrukturversagen Deutschlands – mit Folgen, die bis heute nachwirken. Am 3. März 2009 kam es zur Katastrophe: Bei Bauarbeiten für die Nord-Süd-U-Bahn-Linie gab der Boden nach. Ein riesiger Krater verschlang das Kölner Stadtarchiv komplett und zerstörte 1,7 Millionen Dokumente, die tausend Jahre Stadtgeschichte belegten. Zwei junge Männer, die in benachbarten Häusern lebten, starben, als der Boden unter ihnen wegbrach.
Spätere Ermittlungen deckten auf, dass kritische Stahlträger vor dem Einsturz gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden waren. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die über keine Erfahrung mit der Leitung solcher Projekte verfügten, hatten die Bauarbeiten überwacht. Rettungskräfte durchsuchten monatelang die Trümmer und verteilten die geretteten Fragmente schließlich auf 20 Notarchive.
2024 fällten die Gerichte ihre Urteile. Einige Angeklagte erhielten Geldstrafen, andere wurden wegen indirekter Verantwortung freigesprochen. Die Baustelle selbst ist indes noch immer nicht fertiggestellt. Bis 2023 war nur ein Teil des Kraters verfüllt, und die letzten unterirdischen Arbeiten sollen erst 2032 abgeschlossen werden.
Die Restaurierung der geborgenen Dokumente wird voraussichtlich bis 2050 andauern, doch Experten schätzen, dass ein Drittel des Archivs für immer verloren ist. Die neue U-Bahn-Linie, sobald sie fertig ist, soll Fahrgästen acht Minuten Fahrzeit ersparen – genau die Zeit, die der Einsturz damals in Anspruch nahm.
Das Urteil markiert einen Meilenstein, doch die Folgen der Katastrophe sind noch lange nicht überwunden. Die Wiederherstellung der Archive wird sich über Jahrzehnte hinziehen, während das U-Bahn-Projekt selbst noch Jahre von der Vollendung entfernt ist. Für Köln bleibt der Einsturz eine offene Wunde – im Stadtbild wie in der Geschichte.






