Zuckerrübenanbau in Deutschland kämpft mit Preisverfall und Importdruck
Marit CichoriusZuckerrübenanbau in Deutschland kämpft mit Preisverfall und Importdruck
Deutscher Zuckerrübenanbau gerät unter wachsenden Druck
Preisverfall, Krankheitsausbrüche und Konkurrenz durch Importe setzen die deutschen Zuckerrübenbauern zunehmend zu. Seit dem Inkrafttreten des Mercosur-Handelsabkommens im Jahr 2020 sind die Anbauflächen um bis zu 20 Prozent geschrumpft – in manchen Regionen sogar deutlich stärker. Um ihre Erträge zu stabilisieren und die Ernte zu sichern, greifen Landwirte nun zu neuen Pflanzenschutzmitteln.
Die mit Zuckerrüben bestellte Fläche in Deutschland ist von etwa 42.000 Hektar im Jahr 2020 auf rund 34.000 Hektar bis 2025 zurückgegangen. Der Rückgang folgte auf die vorläufige Umsetzung des Mercosur-Abkommens, das zollfreie Zuckerimporte einführte und die Inlandspreise drückte. Besonders betroffen sind norddeutsche Bundesländer wie Niedersachsen und Schleswig-Holstein, wo die Anbauflächen um über 25 Prozent schrumpften. Südliche Regionen wie Baden-Württemberg und Bayern kommen dank stärkerer lokaler Verarbeitungsstrukturen besser mit den Herausforderungen zurecht.
Klimatische Belastungen und Schädlinge verschärfen die Lage zusätzlich. Schwere Unkrautbefälle oder das Low-Sugar-Beet-Syndrome (SBR) können die Erträge um 40 bis 50 Prozent mindern. Krankheiten wie die Cercospora-Blattfleckenkrankheit und Stolbur (SBR) sowie resistente Unkräuter zählen mittlerweile zu den größten Bedrohungen für den Rübenanbau. Notfallzulassungen für Fungizide halfen zwar, Ausbrüche einzudämmen, doch erst seit 2026 voll zugelassene Mittel wie Badge WG, Coprantol Duo und Recudo bieten zuverlässigere Lösungen.
Landwirte erproben neue Abwehrstrategien, um ihre Ernten zu schützen. Marius Feldmann, Betriebsleiter bei der Metternich-Ratibor-Corvey KG, hat seine Rübenanbaufläche aufgrund schlechter Markterträge von 160 Hektar im Jahr 2023 auf 118 Hektar im Jahr 2026 reduziert. Doch erste Versuche mit Rinpode, einem Herbizid, das bereits mit nur 2 Gramm pro Hektar auskommt, zeigen vielversprechende Ergebnisse im Kampf gegen Hühnerhirse und andere Unkräuter. Feldtests deuten darauf hin, dass solche Innovationen die Rübenerträge um 3 bis 7 Prozent steigern und den Zuckergehalt verbessern könnten.
Die kombinierte Wirkung von Handelsabkommen, Krankheitsdruck und schwachen Preisen belastet den deutschen Zuckerrübensektor schwer. Ohne bessere Wirtschaftlichkeit drohen weitere Einbußen in der heimischen Produktion, was regionale Wertschöpfungsketten gefährden könnte. Vorerst setzen die Erzeuger auf Fortschritte im Pflanzenschutz, um in einem zunehmend schwierigen Markt Ertrag und Qualität zu halten.






