Wie Schildgen vor zehn Jahren Geflüchteten ein Zuhause gab – und was daraus wurde
Marit CichoriusWie Schildgen vor zehn Jahren Geflüchteten ein Zuhause gab – und was daraus wurde
Vor einem Jahrzehnt öffnete eine kleine deutsche Stadt ihre Türen für Geflüchtete, die vor Konflikten flohen. Die Willkommensinitiative von Schildgen, 2015 ins Leben gerufen, half Neuankömmlingen, sich einzuleben und ein neues Leben aufzubauen. Heute sprechen viele von ihnen fließend Deutsch, gehen einer festen Arbeit nach oder setzen ihre Ausbildung fort – auch wenn Herausforderungen bleiben.
Die Initiative "Willkommen in Schildgen" startete bereits 2012, Jahre bevor die Flüchtlingskrise ihren Höhepunkt erreichte. Bis 2015 engagierten sich über 100 Einheimische, um Geflüchteten im Alltag zu helfen. Sie begleiteten sie zu Behördengängen, Arztterminen und Sprachkursen.
Youssef Messraba gehörte zu denen, die in jenem Jahr ankamen. Aus Damaskus geflohen, erreichte er Schildgen erschöpft und krank. Mit Unterstützung absolvierte er eine Ausbildung zum Elektroniker und studiert heute Elektro- und Medizintechnik. Doch trotz seiner Integration wartet er seit 20 Monaten auf die deutsche Staatsbürgerschaft. Vorurteile begegnen ihm noch immer – an der Universität, in seiner Nachbarschaft, selbst bei manchen Einheimischen.
Zehn Jahre später sind die Erfolge der Initiative sichtbar: 72 Prozent der Gebliebenen haben einen Job, 15 Prozent befinden sich in Ausbildung oder Studium. Viele wie Messraba haben deutsche Freundeskreise aufgebaut – er lebte drei Jahre mit einer deutschen Partnerin in Köln, und seine Freunde sind heute ausschließlich Deutsche.
Zum Jubiläum zeigt die Ausstellung "Himmel un Ääd" bis zum 6. Dezember 21 farbige Porträts von Geflüchteten, die ihre Wege dokumentieren. Zudem findet am 28. November am selben Ort die Veranstaltung "Angekommen – Erfahrungen und Leben in Deutschland/Schildgen" statt.
Die Initiative wirkt nach – in Beschäftigungszahlen, Bildung und Sprachkenntnissen. Doch Geschichten wie die von Messraba zeigen: Volle Akzeptanz braucht Zeit. Ausstellung und Jubiläumsveranstaltung laden ein, über Errungenschaften nachzudenken – und die Aufgaben, die noch vor uns liegen.






