Wie die AfD mit gezielter Angstmache Ostdeutschland eroberte und etablierte Parteien versagten
Ljiljana HeinDie Stadtlandschaft und der Osten: Im Angstbereich der deutschen Politik - Wie die AfD mit gezielter Angstmache Ostdeutschland eroberte und etablierte Parteien versagten
Die AfD hat sich jahrelang in ostdeutschen Regionen Einfluss verschafft, indem sie öffentliche Ängste schürte. 2015 erklärte Björn Höcke auf einer Großkundgebung in Ostdeutschland, "die Angstzonen wachsen – besonders für blonde Frauen". Kritiker wie der damalige Bundesjustizminister Heiko Maas verurteilten solche Äußerungen als gefährliche Hetze.
Der Aufstieg der AfD im Osten verlief stetig – mit kaum Widerstand der etablierten Parteien. Fast ein Jahrzehnt lang nutzte die Partei die Sorgen über Migration, Deindustrialisierung und soziale Ausgrenzung für sich aus. Andere politische Kräfte ignorierten diese Themen oder behandelten sie nur oberflächlich, sodass die AfD die Debatte dominieren konnte.
Felix Banaszak, Grünen-Politiker aus Duisburg, hat kürzlich die Erfolge der AfD in der Region analysiert. In seiner Heimatstadt stellt die Partei mittlerweile die zweitstärkste Fraktion im Stadtrat. Sein Vorwurf: Progressive Kräfte hätten es versäumt, emotional an die Wähler:innen anzudocken – und der AfD damit freies Spiel gelassen, Ängste ungehindert zu instrumentalisieren.
Auch der Journalist Martin Debes hat diese "Angstzonen" in ganz Deutschland dokumentiert. Seine Berichte schildern Einschüchterungen durch rechtsextreme Gruppen an Bahnhöfen und Straftaten im Umfeld von Migrantenfamilien. Banaszak betont: Um der AfD etwas entgegenzusetzen, müssten progressive Politiker:innen mit Empathie zuhören – und mit konkreten Lösungen reagieren.
Jahre lang blieb die AfD-Strategie, Ängste zu verstärken, unwidersprochen. Ohne eine emotional überzeugendere und praktische Gegenwehr der Konkurrenz wird sich ihr Einfluss in Ostdeutschland weiter festigen. Die Herausforderung liegt nun darin, ob es progressiven Kräften gelingt, die Kluft zu jenen Wähler:innen zu überbrücken, die sich ignoriert fühlen.






