Wie ARD und ZDF mit persönlichem Storytelling junge Zuschauer gewinnen wollen
Albin ReisingWie ARD und ZDF mit persönlichem Storytelling junge Zuschauer gewinnen wollen
Öffentlich-rechtliche Sender wie ARD und ZDF experimentieren mit mutigen neuen Reportageformaten, um jüngere Zuschauer zu gewinnen. Die für 14- bis 29-Jährige konzipierten Programme setzen auf einen persönlichen, emotional geprägten Stil, der mit traditionellem Journalismus bricht. Eine aktuelle Studie hat fünf dieser Formate untersucht und dabei sowohl ihre Stärken als auch mögliche Schwächen aufgedeckt.
Die fünf analysierten Formate – "VOLLBILD", "exactly", "Ultraviolett stories", "Crisis – Hinter der Front" und "PULS Reportage" – setzen auf erzählerische Ansätze, bei denen Reporter oft selbst zu zentralen Figuren ihrer Geschichten werden. Damit rücken klassische journalistische Werte wie Objektivität und Distanz in den Hintergrund. Stattdessen steht die Identifikationsmöglichkeit im Vordergrund: Junge Zuschauer empfinden diese Formate als glaubwürdig und leicht zugänglich.
Allerdings zeigt die Studie auch, dass die Perspektive der Reporter manchmal zu sehr dominiert – auf Kosten des eigentlichen Themas. Einige Formate liefern zudem kaum vertiefende Recherchen oder umfassende Einordnungen. Erste Anzeichen deuten sogar darauf hin, dass junge Zuschauer die wachsende Zahl ähnlicher, ich-bezogener Formate langsam überdrüssig werden.
Daten zur Zuschauerentwicklung dieser spezifischen Formate sind noch begrenzt. Nur die ZDF-Reihe "Terra X" liefert klare Trends: Die Abrufe in der ZDFmediathek stiegen von 6,34 Millionen im Jahr 2010 auf über 30 Millionen im Jahr 2023, während der YouTube-Kanal der Sendung im vergangenen Jahr 175 Millionen Aufrufe verzeichnete.
Die Herausforderung für die öffentlich-rechtlichen Sender besteht darin, persönliches Storytelling mit journalistischer Sorgfalt in Einklang zu bringen. Zwar sprechen die neuen Formate junge Zielgruppen an, doch ihr langfristiger Erfolg hängt davon ab, ob sie Tiefe und Glaubwürdigkeit bewahren können. Ohne belastbare Belege für eine nachhaltige Bindung der Zuschauer bleibt ihr zukünftiger Einfluss fraglich.






