19 March 2026, 14:32

Westfalen-Lippe hat bundesweit die wenigsten Hausärzte – und die Krise verschärft sich

Alte Deutschlandkarte mit hervorgehobenen Gebieten von Bayern und Deutschland, auf Papier gedruckt mit handgeschriebener Text.

Mangel an Hausärzten in NRW: Streit um effektive Maßnahmen - Westfalen-Lippe hat bundesweit die wenigsten Hausärzte – und die Krise verschärft sich

Nordrhein-Westfalens Region Westfalen-Lippe hat bundesweit die wenigsten Hausärzte pro Einwohner

Aktuelle Zahlen der Bundesärztekammer zeigen: In der Region Westfalen-Lippe kommen nur noch 61 Hausärzte auf 100.000 Einwohner – der niedrigste Wert unter allen 17 kassenärztlichen Vereinigungen Deutschlands. Die SPD warnt vor einer weiteren Verschärfung der Versorgungslücken in der flächendeckenden medizinischen Grundversorgung.

Die Kritik an der Landesregierung wegen des Ärztemangels wird immer lauter. Während Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) seine Politik verteidigte, warf ihm die Opposition vor, zu spät und unzureichend auf die Krise reagiert zu haben.

Das Problem ist nicht neu: Westfalen-Lippe schneidet selbst im Vergleich zu anderen Bundesländern mit geringen Hausarztzahlen wie Baden-Württemberg (63,7 pro 100.000) oder Mecklenburg-Vorpommern (77 pro 100.000) besonders schlecht ab. Bundesweit waren 2023 zwar rund 55.778 Hausärzte tätig, doch die Verteilung bleibt extrem ungleich.

Als Gegenmaßnahme hatte NRW bereits 2009 ein "Hausarzt-Aktionsprogramm" gestartet. Mit einem Investitionsvolumen von 29 Millionen Euro – davon 80 Prozent für Westfalen-Lippe – wurden über 1.000 neue Praxen in unterversorgten Gebieten gefördert. Dennoch bezeichnete die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, Lisa-Kristin Kapteinat, die aktuellen Zahlen als "vernichtendes Urteil" über Laumanns Bilanz.

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Der Minister wies die Vorwürfe zurück und verwies stattdessen auf jahrzehntelanges Nichthandeln unter früheren SPD-geführten Regierungen. Gleichzeitig hob er die 2023 eingeführte "Landarztquote" hervor – ein bundesweites Novum. Im Rahmen des Programms haben sich 1.100 Medizinstudierende mit Schwerpunkt Allgemeinmedizin verpflichtet, nach ihrem Abschluss zehn Jahre lang als Hausärzte in der Region zu arbeiten.

Doch Lösungen brauchen Zeit. Laumann räumte ein, dass die Behebung des Hausärztemangels langfristige Planung erfordere und nicht innerhalb einer Legislaturperiode zu bewältigen sei. Die ersten Absolventen der Landarztquote werden aufgrund der langen Ausbildungsdauer erst 2030 in den Beruf einsteigen.

Trotz früherer Fördermittel und neuer Nachwuchsprogramme bleibt Westfalen-Lippe beim Hausärztemangel bundesweiter Schlusslicht. Die Landarztquote soll die Krise entschärfen – ihre Wirkung wird sich jedoch erst in Jahren zeigen. Bis dahin müssen die Bewohner der Region weiterhin mit eingeschränkter hausärztlicher Versorgung leben.

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