Steffi: Wie die DDR-Puppe zur Kultfigur und sozialistischen Barbie-Alternative wurde
Andrew GudeModepuppe Steffi: Die Barbie des Sozialismus wird 60 - Steffi: Wie die DDR-Puppe zur Kultfigur und sozialistischen Barbie-Alternative wurde
1966 brachte die DDR mit Steffi ihre eigene Modepuppe für Teenager auf den Markt – als sozialistische Alternative zu Barbie und Petra. Schnell entwickelte sie sich zu einer Kultfigur. Hergestellt wurde die Puppe in Waltershausen, einer Stadt mit langer Tradition im Puppenbau, und verkörperte ein anderes Bild von Weiblichkeit und beruflichen Möglichkeiten für Mädchen.
Entworfen wurde Steffi von der Designerin Margot Schmied, die sie nach ihrer Tochter benannte. Gefertigt im volkseigenen Betrieb VEB Puppenfabrik Biggi, avancierte sie zu einem wichtigen Exportgut und brachte der DDR dringend benötigte Devisen ein. Ihr Design spiegelte die sozialistischen Ideale der Zeit wider – mit einer kräftigen, sanduhrförmigen Figur und einer hohen Stirn, die sie von der schlankeren Barbie abhoben.
Von Anfang an war Steffi in verschiedenen Hauttönen erhältlich und damit inklusiver als viele westliche Puppen ihrer Zeit. Zudem gab es rund 30 Berufsoutfits für sie, etwa als Ärztin, Lehrerin, Polizistin oder Sportlerin. Diese Vielfalt spiegelte die sich erweiternden Rollenbilder von Frauen in den 1970er- und 1980er-Jahren.
Ihr Look war unverkennbar von den 1960ern geprägt: dicke Eyeliner, knalliges blaues oder türkisfarbenes Lidschatten und eine üppige Synthetik-Tollenfrisur. Mit 16 DDR-Mark war sie für viele Haushalte eine größere Anschaffung. Heute erzielen gut erhaltene Steffi-Puppen mit Originalzubehör Preise zwischen 20 und 200 Euro.
Obwohl die ursprüngliche Steffi längst ein Sammlerstück ist – bewahrt in Museen und von ehemaligen Besitzerinnen geschätzt –, hat die heutige Steffi LOVE des Spielwarenherstellers Simba-Dickie-Group nichts mit dem DDR-Original zu tun.
Steffi bleibt ein Symbol für ostdeutsches Design und gesellschaftliche Werte. Ihre vielfältigen Berufsoutfits und Hauttöne waren für ihre Zeit fortschrittlich. Als nostalgischer Schatz wird sie bis heute von denen gesammelt und in Erinnerung behalten, die mit ihr aufgewachsen sind.