Solingens "Lieferkontor" öffnet Türen zur Geschichte der "Liewerfrauen"
Ljiljana HeinSolingens "Lieferkontor" öffnet Türen zur Geschichte der "Liewerfrauen"
Solingen erweitert den Zugang zu seinem historischen "Lieferkontor" – einem zentralen Ort, der mit der industriellen Vergangenheit der Stadt verbunden ist. Das Gebäude diente einst als Drehscheibe für die "Liewerfrauen", Frauen, die bis in die 1930er-Jahre schwere Waren durch die Region trugen. Nun suchen die Verantwortlichen weitere Freiwillige, um die Öffnungszeiten auszuweiten.
Das "Lieferkontor" ist Teil des dezentralen "Industriemuseums Solingen" und beherbergt derzeit eine Ausstellung über den Alltag dieser Frauen, deren harte Arbeit den Handel in Solingen jahrzehntelang prägte.
Die "Liewerfrauen" waren ein einzigartiger Teil der Solinger Geschichte. Während ähnliche Berufe in Europa bereits im 19. Jahrhundert verschwanden, transportierten diese Frauen noch bis in die 1930er-Jahre Scherenteile und Messerklingen in Körben über das hügelige Gelände. Ihre Routen sind heute durch den "Liewerfrauenweg" markiert – einen 15 Kilometer langen Rundwanderweg, der wichtige Industrieorte verbindet.
Das "Lieferkontor" selbst war ein zentraler Knotenpunkt ihrer Arbeit: Hier lagerten sie ihre schweren Lasten ab und erhielten Lohn für die Schleifer. Heute erzählt eine Ausstellung im Inneren ihre Geschichte anhand von Exponaten, Fotografien und persönlichen Berichten.
Um den Standort zugänglicher zu machen, planen die Stadt und der Förderverein, das "Lieferkontor" von März bis Oktober mindestens einmal im Monat zu öffnen. 2026 wird es an fünf ausgewählten Terminen von 10:00 bis 14:00 Uhr besondere Öffnungstage geben. Zudem wird der lokale Guide Lutz Peters an vier zusätzlichen Sonntagen von 11:00 bis 13:00 Uhr Führungen anbieten.
Für den 19. April ist eine geführte Wanderung auf einem Abschnitt des "Liewerfrauenwegs" geplant, Start ist um 13:00 Uhr am "Gründerzentrum". Die Route führt entlang des Weges nach "Wipperkotten", einem weiteren historischen Standort im Netzwerk des Industriemuseums. Die Veranstalter hoffen, damit das Erbe der Frauen und das gesamte Museum – zu dem auch Standorte wie die "Gesenkschmiede Hendrichs" und "Wipperkotten" gehören – bekannter zu machen.
Langfristig soll das "Lieferkontor" jeden ersten Sonntag im Monat von April bis Oktober geöffnet sein. Dafür werden dringend weitere Freiwillige gesucht, um die Öffnungszeiten zu verlängern und den Besucherservice zu unterstützen. Die Änderungen sollen Anwohnern und Touristen mehr Möglichkeiten bieten, das industrielle Erbe Solingens und die bleibende Geschichte der "Liewerfrauen" zu entdecken.






