Pflege zu Hause wird für Familien immer teurer als das Pflegeheim
Ein neuer Bericht unterstreicht die wachsende finanzielle Belastung von Familien, die in Deutschland Angehörige zu Hause pflegen. Obwohl der Großteil der Menschen mit Langzeitpflegebedarf (85,9 %) auf Verwandte oder professionelle Pflegekräfte im häuslichen Umfeld angewiesen ist, können die Kosten die Ausgaben in Pflegeheimen deutlich übersteigen. Kritiker bemängeln, dass das System Familien unfair belastet – trotz der gesetzlichen Bevorzugung der häuslichen Pflege im Rahmen der Sozialgesetzgebung.
Nach deutschem Recht wird die Pflege zu Hause priorisiert, um Betroffenen ein vertrautes Umfeld zu ermöglichen. Doch wie Professorin Notburga Ott von der Ruhr-Universität Bochum darlegt, müssen Schwerstpflegebedürftige in häuslicher Betreuung mit Eigenanteilen von über 7.000 Euro monatlich rechnen. Dazu zählen direkte Dienstleistungskosten sowie der unbezahlte Einsatz von Familienmitgliedern. Schätzungen zufolge liegen die privaten Zusatzkosten zwischen 340 und 7.441 Euro im Monat – der Medianwert beträgt 2.085 Euro.
Demgegenüber zahlen Heimbewohner:innen im ersten Jahr ab Januar 2026 durchschnittlich 3.200 Euro monatlich. Anders als bei der häuslichen Pflege sinken diese Kosten oft mit der Zeit, da staatliche Zuschüsse greifen. Frühere Daten aus dem Jahr 2024 wiesen noch regionale Durchschnittswerte von etwa 2.907 Euro aus, die bis Mitte 2025 auf einen bundesweiten Median von 3.108 Euro stiegen.
Der Bundesverband wir pflegen e.V., der Angehörige von Pflegebedürftigen vertritt, kritisiert diese Schieflage scharf. Zwar verdienen examierte Pflegefachkräfte mittlerweile mindestens 17,35 Euro pro Stunde, doch die finanziellen Lasten bleiben für Familien unverhältnismäßig hoch. Da 54,5 % der Pflegebedürftigen ausschließlich von Angehörigen versorgt werden, bleibt die finanzielle Überlastung ein zentrales Problem.
Die Kostendifferenz zwischen häuslicher und stationärer Pflege besteht fort – trotz des gesetzlichen Schutzes für die ambulante Versorgung. Während die Heimentgelte durch staatliche Unterstützung allmählich stabilisiert werden, tragen Familien weiterhin erhebliche finanzielle Risiken. Dies wirft die Frage auf, wie langfristig bezahlbar die Pflege von Angehörigen zu Hause überhaupt bleibt.