Mönchengladbachs erstaunlicher Wandel: Vom Textilstandort zur boomenden Wirtschaftsregion
Andrew GudeMönchengladbachs erstaunlicher Wandel: Vom Textilstandort zur boomenden Wirtschaftsregion
Mönchengladbach hat sich vom schrumpfenden Textilzentrum zu einer blühenden, vielfältigen Wirtschaftsregion gewandelt. Noch in der Blütezeit des 20. Jahrhunderts bot die Stadt über 100.000 Arbeitsplätze in der Textilbranche – heute ist sie Vorreiter in Logistik, Maschinenbau, Gesundheitswesen und digitalen Dienstleistungen. Dieser Wandel hat für Stabilität gesorgt: Während benachbarte Regionen mit steigenden Insolvenzzahlen kämpfen, sinken die Fallzahlen in Mönchengladbach kontinuierlich.
Die Transformation begann bereits vor Jahrzehnten, doch entscheidende Projekte in den 2000er-Jahren beschleunigten den Aufschwung. 2005 eröffnete Airbus sein A380-Werk und schuf über 3.000 Arbeitsplätze, was die Position der Stadt in der Luftfahrt festigte. Logistikunternehmen folgten, angezogen von den Verkehrswegen am Rhein und Initiativen wie dem Grünen Logistik-Korridor, der Investitionen von DHL und Siemens anlockte. Gleichzeitig expandierte der Maschinenbau durch Unternehmen wie ThyssenKrupp und KMW – die 2018 gestartete Smart Factory machte Mönchengladbach zudem zu einem Zentrum für Industrie 4.0.
Auch Gesundheitswesen und Biotechnologie boomen: Die Rheinfels-Klinik baute ihre Kapazitäten aus, und der 2015 gegründete BioCampus beherbergt heute über 50 Firmen. Die digitale Wirtschaft wuchs durch Hubs wie Gladbach Digital und Coworking-Spaces im Forum Gladbach, gestützt durch Fachkräfte von der Hochschule Niederrhein und dem starken Mittelstand der Region. Infrastrukturprojekte – darunter die 500-Millionen-Euro-Erweiterung des Flughafens und Förderprogramme der NRW.Location Marketing GmbH – steigerten die Attraktivität der Stadt zusätzlich.
Die Erfolge zeigen sich in den aktuellen Insolvenzdaten: 2024 gingen die Unternehmenspleiten um 8,0 % auf 104 Fälle zurück, Verbraucherinsolvenzen sanken um 9,0 % auf 364. Insgesamt reduzierten sich die Verfahren um 7,8 % – ein Rückgang von 7,5 % im Vergleich zum Vorjahr. Dies steht im Kontrast zum Bundestrend: 2025 stiegen die Unternehmensinsolvenzen bundesweit um 8 bis 10 %, in Nordrhein-Westfalen gab es 2024 sogar einen Anstieg um 23,4 %. Unter den vergleichbaren Städten im Regierungsbezirk Düsseldorf war Mönchengladbach die einzige mit rückläufigen Zahlen.
Bürgermeister Felix Heinrichs führt die Stabilität auf langfristige Strategien zurück, darunter der seit 2016 festgelegte Gewerbesteuer-Hebesatz von 490 %. Aktuelle Vorhaben wie der Wissens- und Innovationscampus, die Textilfabrik 7.0 und ein neues Gewerbegebiet am Flughafen sollen den Aufschwung sichern.
Im IW-Dynamikranking 2024, das die wirtschaftliche Entwicklung in 401 deutschen Regionen misst, belegt Mönchengladbach Platz 27. Der Strukturwandel von der Textilindustrie zu Hochtechnologie, gezielte Investitionen und stabile Rahmenbedingungen haben die Stadt widerstandsfähig gemacht. Während andere Kommunen mit steigenden Insolvenzen kämpfen, zieht Mönchengladbachs diversifizierte Wirtschaft weiterhin Unternehmen an – und sichert Arbeitsplätze.