22 April 2026, 04:24

Giftige Chemikalien in EU-Kosmetik: Warum Verbote oft wirkungslos bleiben

Rotes und gelbes Schild mit der Aufschrift "Organisches Peroxid 5.2", das eine gefährliche Substanz anzeigt.

Giftige Chemikalien in EU-Kosmetik: Warum Verbote oft wirkungslos bleiben

Eine aktuelle Untersuchung hat aufgegeben, dass in der EU verbotene und gefährliche Chemikalien nach wie vor in Kosmetikprodukten auftauchen, die in ganz Europa verkauft werden. Trotz strenger Vorschriften sind Erzeugnisse mit schädlichen Substanzen – einige davon in Verbindung mit Krebs und Fruchtbarkeitsstörungen – weiterhin auf großen Handelsplattformen und in bekannten Drogeriemärkten erhältlich.

Im Jahr 2025 identifizierte die Europäische Kommission bei einer Überprüfung von 1,6 Millionen Websites über 20.000 illegale Artikel, von denen viele auf beliebten Plattformen wie Shein, Temu und AliExpress gelistet waren. Einer der besorgniserregendsten Funde betrifft Lilial (BMHCA), einen Duftstoff, der in der EU seit 2020 wegen möglicher Schäden für die Fruchtbarkeit verboten ist. Investigativjournalisten des Recherchezentrums CORRECTIV entdeckten die Substanz in einer Tube Schwarzkopf-Glitzer-Haargel, die im März 2023 bei Fresh-Store gekauft wurde. Zudem erworben sie online drei weitere verbotene Produkte, darunter einen Nivea-Rasierschaum mit BMHCA von Amazon.

Das Problem beschränkt sich nicht auf Lilial. Prostaglandin-Analoga, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und das Krebsrisiko erhöhen können, finden sich weiterhin in Kosmetikartikeln, die von großen deutschen Drogerieketten wie DM und Rossmann geführt werden. Andere gefährliche Stoffe wie "Ewigkeitschemikalien" (PFAS) und Hydrochinon – ein wahrscheinlich krebserregender Hautaufheller – wurden ebenfalls in gemeldeten Produkten nachgewiesen.

In den letzten zehn Jahren hat die EU mehr als 4.000 Produkte wegen Gesundheitsrisiken vom Markt genommen. Dennoch gestaltet sich die Durchsetzung der Vorschriften als schwierig: Bei rund 600.000 derzeit erhältlichen Kosmetikartikeln und täglich 800 Neueinführungen bleibt die Kontrolle eine Herausforderung. In Deutschland sind auch bekannte Marken wie Nivea (Beiersdorf), Schwarzkopf und Schauma (Henkel) betroffen.

Die Lage könnte sich weiter verschärfen, falls die von der EU geplante "Chemikalien-Omnibus"-Novelle am 15. April 2026 verabschiedet wird. Kritiker warnen, dass die Änderung es Unternehmen erleichtern könnte, weiterhin längst verbotene Produkte zu verkaufen – und damit bestehende Sicherheitsmaßnahmen untergräbt.

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Der Nachweis verbotener Chemikalien in weit verbreiteten Kosmetikartikeln offenbart Lücken in der Marktregulierung. Trotz früherer Rücknahmen und laufender Überprüfungen gelangen schädliche Produkte weiterhin zu Verbrauchern – sowohl über Online-Plattformen als auch im stationären Handel. Die anstehende EU-Abstimmung über Chemikalienvorschriften wird entscheiden, ob strengere Kontrollen oder eine lockerere Aufsicht die Zukunft der Kosmetiksicherheit in Europa prägen werden.

Quelle