Franz Josef Wagner und Alfred Hilsberg – zwei Ikonen der deutschen Kultur sterben
Marit CichoriusFranz Josef Wagner und Alfred Hilsberg – zwei Ikonen der deutschen Kultur sterben
Franz Josef Wagner, der langjährige Kolumnist und als Bild-Poet bekannte Chronist, ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Sein Tod am 7. Oktober markiert das Ende einer Ära für das deutsche Boulevardblatt, für das er über zwei Jahrzehnte lang satirische Briefe verfasste. Wagners scharfe, oft polarisierende Stimme hinterließ deutliche Spuren in der Medienlandschaft.
Auch Alfred Hilsberg, der einflussreiche Hamburger Underground-Impresario, starb kürzlich mit 77 Jahren. Obwohl ihre Welten kaum unterschiedlicher hätten sein können, prägten beide auf ihre Weise die deutsche Kultur – der eine mit massentauglichem Witz, der andere mit kulturrevolutionärer Provokation.
Wagner begann seine Karriere 1966 im Verlagshaus von Axel Springer, stieg dort auf und wurde schließlich zu einer festen Größe bei der Bild. Von 2001 bis 2022 schrieb er kurze, prägnante Texte in Form von Briefen. Seine Ziele reichten von Politikern und Sportlern bis hin zu abstrakten Konzepten wie Jahreszeiten oder sogar Körperteilen. Seine letzte Kolumne, veröffentlicht am 7. September, war an Carlo Acutis gerichtet, den kürzlich heiliggesprochenen Teenager.
Doch Wagner wirkte nicht nur unter eigenem Namen: Hinter den Kulissen arbeitete er als Ghostwriter und formulierte Reden und Texte für Prominente wie Franz Beckenbauer, Udo Jürgens und Boris Becker. Sein Stil – direkt, reaktionär und oft rechtskonservativ – wurde zum Markenzeichen des provokanten Bild-Tons. Kritiker ordneten ihn in dieselbe kulturelle Kategorie ein wie Figuren wie James Last oder Fips Asmussen: umstritten, aber zweifellos einflussreich.
Hilsberg hingegen hinterlässt ein ganz anderes Erbe. Als prägende Figur der Hamburger Underground-Szene lehnte er konventionelle Laster wie Bier oder Haschisch ab. Stattdessen bezeichnete er das regelmäßige Lesen der Bild – Wagners Arbeitgeberin – einmal als ein "bewusstseinserweiterndes Drug". Diese Aussage unterstrich die überdimensionale Rolle des Blattes im deutschen Alltag, sei es als Unterhaltung oder als Ärgernis.
Für den Springer-Verlag waren Wagners Kolumnen mehr als bloßer Kommentar – sie wurden zu einer Lebensweise, zu einer wechselseitigen Abhängigkeit zwischen Autor und Verlag. Sein Tod schließt ein Kapitel für den Medienkonzern, der sich auf seine Fähigkeit verließ, gleichermaßen zu provozieren und zu unterhalten.
21 Jahre lang prägten Wagners Kolumnen die Bild mit einer Mischung aus Satire, Kritik und Kontroverse. Seine Abwesenheit hinterlässt eine Lücke in den Meinungsseiten des Blattes, doch sein Einfluss auf die deutsche Boulevardkultur bleibt bestehen. Auch Hilsbergs Tod nimmt der kulturellen Debatte eine weitere markante Stimme. Beide Männer haben, jeder in seiner eigenen Sphäre, die mediale und gegenkulturelle Auseinandersetzung ihrer Zeit mitgeprägt.