Düsseldorfs fiftyfifty kämpft mit Preiserhöhung gegen Auflagenrückgang und Hass
Marit CichoriusDüsseldorfs fiftyfifty kämpft mit Preiserhöhung gegen Auflagenrückgang und Hass
Düsseldorfs Straßenmagazin fiftyfifty erhöht Preis auf 3,40 Euro
Das von obdachlosen und marginalisierten Verkäufer:innen angebotene Magazin fiftyfifty kostet nun 3,40 Euro. Die Preiserhöhung erfolgt vor dem Hintergrund eines drastischen Auflagenrückgangs: Von einst 40.000 verkauften Exemplaren sank die Zahl im Januar 2023 auf weniger als 12.000. Steigende Kosten und branchenspezifische Herausforderungen zwingen das Projekt zu diesem Schritt.
Der Rückgang bei fiftyfifty spiegelt eine tiefgreifende Krise der Printmedien wider. Seit 2010 haben mindestens zehn große deutsche Straßenzeitungen – darunter der Berliner Strassenfeger und das Münchner Unterwegs – Einbußen von 50 bis 80 Prozent hinnehmen müssen. Viele sind inzwischen auf Spenden, Crowdfunding oder Kooperationen mit Hilfsorganisationen wie Caritas angewiesen, um zu überleben.
Für fiftyfifty sind vor allem zwei Faktoren für den Absatzrückgang verantwortlich: der schwindende Printmarkt und eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber den Verkäufer:innen. Rassismus und aggressive Übergriffe, besonders gegen Menschen mit Migrationshintergrund, erschweren den Straßenverkauf zusehends. Das Magazin finanziert sich über Print- und Digitalausgaben, wobei die Verkäufer:innen die Hälfte des Verkaufspreises pro Exemplar erhalten.
Doch fiftyfifty bietet mehr als nur Einkommen: Es gibt den Verkäufer:innen Struktur, Gemeinschaftsgefühl und ein Stück Normalität. Gleichzeitig hält es das Thema Obdachlosigkeit in der öffentlichen Debatte präsent. Neben dem Verkauf fließen Mittel aus Spenden, einer Wohltätigkeitsgalerie und dem digitalen Verkauf der Online-Ausgabe ObdachLOS in die Finanzierung ein.
Die Preiserhöhung soll die Zukunft von fiftyfifty sichern – doch die Herausforderungen bleiben groß. Ohne das Magazin drohen wichtige Angebote wie Straßenhilfe und "Housing First"-Programme wegzubrechen. Seine Rolle als Stimme und Einkommensquelle für obdachlose Menschen steht auf dem Spiel.