Atommüll-Transporte aus Jülich starten trotz Proteste Richtung Ahaus
Ljiljana HeinAtommüll-Transporte aus Jülich starten trotz Proteste Richtung Ahaus
Die ersten Transporte mit Atommüll aus dem Forschungszentrum Jülich werden in der kommenden Woche beginnen – trotz jahrelanger Proteste geht es Richtung Ahaus. Lokale Behörden und Anti-Atomkraft-Aktivisten hatten versucht, die Verbringung zu stoppen, scheiterten damit jedoch. Das in 152 Castor-Behältern gelagerte Material soll in über 50 separaten Transporten verlegt werden.
Die Entscheidung fällt nach einem langwierigen Streit darüber, wo die radioaktiven Abfälle zwischengelagert werden sollen. Jülich weigert sich, die Lagerung vor Ort zu verlängern, sodass Ahaus als einzige kurzfristige Lösung bleibt – obwohl die Genehmigung für das dortige Zwischenlager bereits 2036 ausläuft.
Die Abfälle stammen aus einem ehemaligen Versuchsreaktor in Jülich, der 1988 abgeschaltet wurde. Seither hat sich das Forschungszentrum auf Quantencomputing spezialisiert, doch das Erbe des Atommülls ist bis heute ungelöst. Seit 2013 betreibt die Einrichtung ihr eigenes Lager ohne gültige Genehmigung, was die Behörden zum Handeln zwang.
Von den insgesamt 384 Castor-Behältern mit radioaktivem Material sollen in den nächsten Jahren nur etwa 90 Ahaus verlassen. Der Rest müsste umgelagert werden, falls der Standort nach 2036 keine weiteren Abfälle mehr aufnimmt. Mögliche Alternativen wären Zwischenlager in Gorleben, Lubmin oder neue Standorte in Sachsen und Thüringen.
Eine dauerhafte Lösung für die Endlagerung von Atommüll in Deutschland ist frühestens ab den 2070er-Jahren geplant. Unterdessen tobt die politische Debatte weiter – aktuell wird sogar über eine Renaissance der Kernenergie durch "kleine modulare Reaktoren" (SMR) diskutiert. Doch das ungelöste Problem der Lagerung bleibt ein zentrales Hindernis.
Die ersten Mülltransporte werden bald in Ahaus eintreffen – ein vorläufiger Schritt in einem seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt. Ohne eine endgültige Lagerstätte bis mindestens in die 2070er-Jahre wird der Atommüll vorerst in Zwischenlagern verbleiben. Der anhaltende Streit zeigt, wie schwierig die Bewältigung des nuklearen Erbes ist – selbst in einer Zeit, in der Deutschland über neue Kerntechnologien nachdenkt.






