16 March 2026, 12:30

1.100 Prominente verteidigen akademische Freiheit gegen politischen Druck auf Düsseldorfer Kunstakademie

Eine Wand mit mutigen, schwarzen Graffiti, die 'Freiheit und Demokratie' lesen, in einem Raum mit einem Geländer unten und einem Gebäude mit Fenstern im Hintergrund.

Offener Brief warnt vor politischem Druck auf Universitäten - 1.100 Prominente verteidigen akademische Freiheit gegen politischen Druck auf Düsseldorfer Kunstakademie

Über 1.100 Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Kulturschaffende haben sich in einer gemeinsamen Stellungnahme für die Verteidigung der akademischen und künstlerischen Freiheit in Deutschland ausgesprochen. In einem offenen Brief, der am 16. März 2026 veröffentlicht wurde, warnen sie vor wachsendem politischem Druck auf Donatella Fioretti, die Rektorin der Kunstakademie Düsseldorf. Der Konflikt begann mit Antisemitismusvorwürfen, hat sich mittlerweile jedoch zu einer grundsätzlichen Debatte über staatliche Einmischung in Universitäten und Kultureinrichtungen ausgeweitet.

Auslöser der Kontroverse war eine Veranstaltung mit der palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif an der Düsseldorfer Kunstakademie. Erste Antisemitismusvorwürfe wurden im Januar 2026 aufgrund ihrer Social-Media-Beiträge erhoben. Obwohl eine juristische Prüfung ergab, dass ihre Äußerungen nicht strafrechtlich relevant sind und unter die Meinungsfreiheit fallen, wurde die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen auf ein internes Publikum beschränkt.

Die Kritik richtete sich anschließend gegen die Wortwahl des nordrhein-westfälischen Landtags, der eine Formulierung verwendete, die ursprünglich von der rechtspopulistischen AfD geprägt wurde. Abgeordnete bedienten sich des Begriffs "Deckmantel" (Tarnung), um die akademische Freiheit zu beschreiben – eine Bezeichnung, die nach Ansicht der Unterzeichner:innen die verfassungsrechtlichen Garantien untergräbt. Der Brief verweist auf Artikel 5 des Grundgesetzes, der die Freiheit von Kunst, Wissenschaft und Lehre schützt – selbst bei unpopulären oder umstrittenen Positionen.

Zu den Erstunterzeichner:innen zählen prominente Persönlichkeiten wie der Fotograf Wolfgang Tillmans, die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger sowie die Philosophinnen Susan Neiman und Nancy Fraser. Sie fordern die Politiker:innen auf, sich klar zu den verfassungsmäßigen Freiheitsrechten zu bekennen und Zensurversuche zurückzuweisen. Gleichzeitig bekunden sie ihre Solidarität mit Fioretti, die mit Rücktrittsforderungen konfrontiert ist und in dieser Woche vor einer Sonderitzung des Ausschusses für Kultur und Medien des Landtags aussagen wird.

Die Unterzeichner:innen warnen, dass der eskalierende Streit ein gefährliches Präzedenzfall schaffen könnte. Sie befürchten, dass sich damit politische Einflussnahme auf akademische und künstlerische Institutionen normalisieren und die Autonomie der Hochschulen in ganz Deutschland bedrohen könnte.

Der offene Brief unterstreicht die tiefgreifende Sorge um die Aushöhlung verfassungsrechtlicher Schutzmechanismen für die freie Meinungsäußerung. Mit Fiorettis anstehender Anhörung dürfte die Debatte im Landtag weiter an Fahrt aufnehmen. Das Ergebnis könnte maßgeblich prägen, wie akademische und künstlerische Freiheit in künftigen Konflikten verteidigt – oder eingeschränkt – wird.

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